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Die „Überzeugung“ König Lapos III.

KW 1 05.01.2021

Vorgabe Der dritte König

Es war einmal in einem Land hinter grauen Schieferbergen, zwischen vier Meeren und neben einer riesigen Wüste, ein großes Königreich, auf dessen Herrschern ein Fluch lag. Alle männlichen Erben konnten nur Drillinge zeugen und weibliche Nachkommen, nur Drillinge bekommen. Immerhin war der Fluch noch so mild, dass nur einmal in zwei Jahrhunderten alle drei Königskinder, männlichen Geschlechts waren und um das Königreich als Erbe buhlten. In allen anderen Jahren, waren es immer zwei Prinzessinnen und ein Prinz. Die Prinzessinnen wurden in andere Königreiche verheiratet und der Prinz übernahm das Königreich. Starb der männliche Nachkomme vor dem König, übernahm eine der Prinzessinnen das Reich und gab einem zweitgeborenen Prinzen die Chance, selbst König zu werden. In den Jahrgängen, wo drei männliche Drillinge geboren wurden, waren zwei davon zeugungsunfähig, so dass der Fortbestand des Geschlechts auf einem der Dreien lag, was aber niemandem offenbar geworden war, weil es durch die lange Zwischenzeit keine Zeitzeugen gab, die über etwaige Kinderlosigkeiten hätten berichten können. Der Dritte Sohn jedoch war mit einem starken Samen gesegnet, der auch auf dem ausgelaugtesten Boden gedieh.

Sollte es jedoch einst dazu kommen, dass alle drei Früchte aus dem Schoß der Königin, das Zeitliche segneten, bevor sie selbst sich gemehrt hatten, würde das gesamte Königsgeschlecht aussterben und dem Königreich Hunger, Not und ewiger Krieg drohen. Zwar galt seit jeher die Tatsache, dass der erstgeborene Sohn zum König im eigenen Reich wurde, doch unter den Brüdern gab es viel Streit und Missgunst, was in der Vergangenheit bereits mehrfach dazu geführt hatte, dass die Brüder sich ums Erbe betrogen oder es sogar zu Brudermorden gekommen war. Außerdem schreckte der Umstand, dass in diesem königlichen Geschlecht, eine königliche Gemahlin immer gleich drei Kinder gebar, die heiratsfähigen Prinzessinnen der umliegenden Königreiche ab.

In einer Zeit, in der wieder einmal drei Söhne innerhalb weniger Minuten das Licht des Königreichs erblickt hatten, musste das königliche Elternpaar die schwierige Aufgabe lösen, allen drei Söhnen ein Königreich zu verschaffen und dafür sorgen, dass die Geschwister sich nicht betrogen oder gar meuchelten.

Hinter dem größten der vier Meere, lebte in einem kleinen Königreich die liebreizende Prinzessin Lunigunda. Sie war das einzige Kind des Königspaares und durch die Heirat, würde ein Prinz zum König über ebendieses kleine Reich werden. Als die Prinzessen Lunigunda ins heiratsfähige Alter kam, sandte der Herrscher des großen Königreiches, seinen Zweitgeborenen zu Lunigunda, um sie zu ehelichen und König über das kleine Königreich zu werden. Die Prinzessin hatte sich ihr ganzes Leben lang Geschwister gewünscht und sah der Tatsache, drei Kinder mit einem Mal gebären zu müssen, so sie denn von der Göttin der Leibesfrucht gesegnet wurde, sogar mit großer Freude entgegen. Würden ihre Kinder doch das Geschwisterglück von Anfang an erleben dürfen.

Lapo der Zweite, so hieß der entsandte Prinz, fand Gefallen an Lunigunda und heiratete sie. Sein ältester Bruder Lapo der Erste heiratete ebenfalls und übernahm das große Königreich. Lapo der Dritte durfte solange im elterlichen Königreich leben, bis er selbst eine Frau finden und ein eigenes Königreich finden würde. Doch Lapo dem Dritten fehlte jeglicher Ehrgeiz, König werden zu wollen. Er lebte allein in den Räumen des Palastes, die er sich einst mit seinen Brüdern geteilt hatte und ging seinen Interessen nach. Diese waren in der Jagd und dem Musizieren angesiedelt und wurden von den Meisten belächelt, weil er nicht sehr erfolgreich war, bedauerlicherweise in Beidem.

Schon früh war den Söhnen eingebläut worden, dass sie für Nachkommen zu sorgen hatten und die verehelichten Prinzen fanden Gefallen an den Betätigungen, die zur Vermehrung erforderlich waren. Doch so sehr sie sich auch bemühten, weder Lapo der Erste noch sein Bruder Lapo der Zweite konnten ihre Gemahlinnen in andere Umstände bringen.

Die Königinnen der beiden Reiche hatten den Gefallen an den Bettspielen nie gefunden und es immer nur als eheliche Pflicht verstanden. Dass sie diese scheinbar nicht erfüllen konnten, betrübte sie. Sie schlossen sich zusammen und besprachen ihre Lage. Für sie war es natürlich schwieriger, für eine Schwangerschaft zu sorgen, weil nicht garantiert war, dass sie Drillinge bekommen würden, wenn sie sich einen anderen Bettgefährten suchten. Doch um selbst erfahren zu können, ob es an ihren körperlichen Voraussetzungen lag, dass der Kindersegen ausblieb, wollten sie das Risiko eingehen. Allerdings ergaben sich keine Möglichkeiten, weil die Gemahle ihren Eifer in die Sicherung der Nachkommenschaft noch verstärkten und die Gemahlinnen viel zu erschöpft waren, um außerehelich aktiv zu werden.

Etliche kinderlose Mondphasen gingen ins Land und die Angst, dass der Drilling, der über das große Königreich herrschte, umkommen könnte, war groß. Die drei Brüder verabredeten sich also ebenfalls zu einer Beratung und besprachen, wie sie den Erhalt des eigenen Königreiches sichern könnten. Da alle drei Brüder sich sehr glichen und nur schwer auseinander zu halten waren, sollte Lapo der Dritte eine Zeitlang seinen Samen in die Königinnen pflanzen, um das Geschlecht zu erhalten. Beginnen sollte er bei der Gemahlin von Lapo dem Ersten. Damit der Gemahlin der Unterschied nicht gewahr wurde, berichteten die Brüder über den Hergang des Akts und schickten den Jüngsten erst zu den Ziegen zum Üben und dann zu den Mägden in Küche und Stall.

Bald darauf setzten bei den Ziegen zahlreiche Geburten ein. Immer waren es drei Lämmer. Auch die Mägde wurden fülliger und bemerkten bald, dass sie in froher Erwartung waren, auch wenn die meisten bei Weitem nicht froh darüber waren. Als die ersten Drillingsgeburten bei den Gesindefrauen bekannt wurden, sollte Lapo der Dritte endlich an die königliche Gemahlin herangeführt werden. Doch die, machte sich selbst einen Reim auf die vielen Drillinge bei den weiblichen Helfern im Königreich und schloss daraus, dass ihr Gemahl seine Lenden an den Mägden rieb und verwehrt sich jeder ehelichen Aktivität mit Hilfe des Schlossschmiedes, der ihr einen Keuschheitsgürtel anlegte, dessen Schlüssel sie in fünf Teile zersägen ließ. Jedes angrenzende Meer nahm ein Teil in Empfang und würgte es hinunter auf den Meeresgrund. Das fünfte Stück vergrub sie in der angrenzenden Wüste.

Lapo der Erste tobte vor Wut und brauchte fast zwölf Mondphasen lang, um dem Geheimnis des Schlüssels auf die Spur zu kommen. Sobald er es kannte, schickte er Ritter los, damit sie die Teile des Schlüssels suchten. Keiner der Ritter kam zurück. Die Einen verdursteten in der Wüste, die anderen ertranken in den Meeren.

Lapo der Dritte wurde indes mehrmals in Lunigundas Bett gelegt und tat seine Pflicht. Doch ihr Leib war unempfänglich für den Samen seiner Lenden und damit wohl zur Kinderlosigkeit verdammt.

Die Brüder verzweifelten immer mehr und wussten sich keinen Rat mehr. Bald würde dieses Königreich ohne Herrscher sein und die Gier fremder Könige würde ihr Volk in Krieg, Elend und Tod stürzen. Doch ein Sturm kam den Drillingen zur Hilfe. Er toste unerbittlich und erzeugte in seinem Höhepunkt riesige Wellen in allen vier Meeren und ließ den Sand aus der angrenzenden Wüste herüberwehen. Vor den Füßen von Lapo dem Dritten landeten 5 metallene Teile, die zusammengelegt, zu einem Schlüssel wurden. Schnell eilte er damit zum Schmied und ließ ihn zusammensetzen. Dann rief er seine Brüder herbei und zeigte seinen Fund. Lapo der Erste wollte direkt zu seiner Gemahlin eilen, doch die Brüder hielten ihn zurück.

„Das ist vielleicht die einzige Chance, lass es unseren jüngsten Bruder machen!“

Lapo der Erste war einsichtig und schickte den Dritten los. Dieser schloss den Gürtel auf, tat seine Pflicht und die Gemahlin empfing Drillinge von ihm. Er hatte so viele Kinder gezeugt, doch diese drei waren ihm vom ersten Augenblick an sehr viel stärker ans Herz gewachsen. So suchte er die Nähe zur Königin immer häufiger und verdrängte bald Lapo den Ersten von seinem Platz am Tisch, im Bett und im Leben seiner Frau. Darüber starb Lapo der Erste vor Gram und Lapo der Dritte und seine Witwe lebten fortan zusammen und mehrten sich.

An dem Tag, an dem die Königin das vierte Mal Drillinge gebar, ging die Sonne glutrot auf und stand den ganzen Tag in rotem Licht über dem Königreich. Sie machte dem Mond keinen Platz und er musste sich vor sie drängen, doch sie schien hindurch und hielt so lange stand, bis der Mond aufgab und seinem Lauf folgte. Erst dann versank die Sonne in allen vier Meeren gleichzeitig und mit ihr der auf dem Königreich lastende Drillingsfluch.

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