Crimetime

Crimetime – Kater Spartakus enttarnt den Mörder

Hier könnt ihr ebenfalls eigene Beiträge erstellen und diese dann in den Kommentaren zur jeweiligen Woche verlinken.

Tatsächlich habe ich es auf den letzten Drücker geschafft, meinen Kurzkrimi fertigzustellen. Das lag vor allem daran, dass ich durch eine unselige Nachbarschaft meiner Motivation und Energie beraubt war…

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Leseprobe

Der schrille Schrei scheint nicht verstummen zu wollen. Mechthild Muckehirn schleicht neugierig zur Tür und drückt ihr Auge an den Spion. Sie sieht Dunkelheit und fragt sich, wo der Schrei wohl her kam. Er klang sehr nach einer der älteren Nachbarinnen. Paula Pfefferle aus dem Hochparterre vielleicht. Wahrscheinlich hat ihr der Kater wieder eine tote Maus oder Schlimmeres vor die Füße gelegt. Schulterzuckend wendet Oma Muck, wie sie im Haus liebevoll genannt wird, sich vom Spion ab und geht zurück ins Wohnzimmer. Ihr plüschiger Fernsehsessel ist noch warm, als sie sich setzt. Im Fernsehen läuft eine Musiksendung mit Schlagern und Volksmusik.

***

Oma Muck ist eingenickt. Sie wacht um kurz nach Mitternacht wieder auf und reibt sich ihr schmerzendes Genick. Als sie in ihr rustikal eingerichtetes Schlafzimmer kommt, erschrickt sie kurz. Durchs Fenster starren sie zwei grün leuchtende Augen an. Sie öffnet das Fenster einen Spalt und murmelt: „Spartakus, Spartakus. Wie oft hab ich dir schon gesagt, du sollst mich nicht so erschrecken? Eines Tages falle ich tot um und du musst auf die extra Rationen von mir verzichten, du Schlawiner.“ Der schwarz-weiß gefleckte Kater schiebt sich durch den Spalt und umschmust Oma Mucks Hand. Er springt zielsicher auf ihr Bett und rollt sich auf dem dicken Federbett zusammen, das frisch bezogen auf der unbenutzten Seite des Ehebettes liegt. Manfred ist zwar schon vor zwölf Jahren gestorben, aber sie bezieht sein Bett genauso regelmäßig frisch, wie ihres. Seit neun Jahren weiß zumindest Pfeffis Katerchen das zu schätzen. Pfeffi, so nennt Oma Muck ihre Nachbarin Paula Pfefferle, die sie im Vertrauen gesagt, etwas seltsam findet.

Mit Routine nimmt Mechthild Muckehirn ihren Zahnersatz heraus und lässt ihn ins Glas auf ihrem Nachtschrank fallen. Dann löscht sie das Licht und lässt sich vom Schnurren des Gastes in den Schlaf gleiten.

***

Die innere Uhr funktioniert. Oma Muck erwacht wie jeden Tag um kurz nach sieben. Spartakus scheint immer genau zur gleichen Zeit zu erwachen. Jedenfalls lässt es sich nicht feststellen, wer durch wen erwacht. Beide recken und strecken sich. Während Spartakus dabei nur leise schnurrt, knacken bei Oma Muck die Knochen gewaltig. Sie geht stramm auf die neunzig zu, wie sie immer sagt, dabei wird sie in diesem Jahr erst fünfundachtzig, was natürlich auch schon ein beachtliches Alter darstellt. Und für dies Alter ist sie fit wie ein Turnschuh, was sicher vor allem daran liegt, dass sie regelmäßig in dieselben steigt und zum Seniorensport geht. Das macht sie aber eigentlich nur, um den neuesten Klatsch aus Emmenburgstedt zu erfahren. Denn die Senioren, die dort mit ihr turnen, sind alle weit immobiler als Oma Muck und um sich richtig zu bewegen, geht sie lieber jeden Tag eine Stunde spazieren. Doch jetzt quält sie sich aus dem Bett und geht in die Küche. Der Wasserkocher sieht zwar aus wie ein alter Teekessel, ist aber einer von den neumodernen Geräten, die sich sogar automatisch abschalten, wenn das Wasser kocht. Sie brüht sich ihren Kaffee direkt in die Tasse, wie sich das gehört für eine echte Muckehirn. Jedenfalls haben ihre Oma und Mutter ihr das so gesagt und sie hat es beibehalten. Abends befüllt sie den Kocher und wenn sie morgens ins Bad geht, drückt sie auf den Knopf. Nach der Morgentoilette lüftet sie immer ihr Federbett aus dem Fenster und nimmt das Glas mit den Zähnen mit in die Küche. Wenn der frisch gebrühte Kaffee schon duftet und das Pulver sich setzt, spült sie Gebiss und Glas.

Spartakus kennt die Morgenroutine seiner Zweitdosenöffnerin und erscheint pünktlich, wenn sie sich mit ihrem Frühstück an dem kleinen Tisch in der Küche niederlässt. Spartakus maunzt jeden Tag, als stünde er kurz vor dem Hungertod. Oma Muck hat dann schon etwas Kochwurst geschnitten und reicht sie dem Kater häppchenweise.

„Nanu Sparti, was hast du denn da?“ Der Kater hat etwas abgelegt, bevor er sich der Kochwurst widmete und interessierte sich scheinbar nicht mehr dafür. Dafür war Oma Muck umso neugieriger. Sie beugt sich hinunter und schubst mit ihrer Gabel an dem Ding rum, von dem sie nicht genau weiß, was es ist. Die Augen wollen halt auch nicht mehr so in ihrem Alter. Also bückt sie sich tiefer und nimmt es hoch. Jetzt ist es Mechthild Muckehirn, die einen schrillen Schrei ausstößt.

Spartakus und seine Beute

„Wenn ich es Ihnen doch sage, junger Mann. Ein Finger. Ein menschlicher Finger.“

„Und Sie sind sich sicher, dass Ihre noch alle da sind, wo sie hingehören?“

„Herr Polizist, ich weiß ja nicht für wie senil Sie mich halten, aber bis zehn kann ich noch zählen. Also was soll ich jetzt mit dem Finger machen? Ich kann ihn auch dem Kater wieder zurückgeben.“

„Nein, nein! Bitte auf keinen Fall. Nehmen Sie am besten eine saubere Tupperdose und legen den Finger da hinein. Stellen Sie das in den Kühlschrank!“

„Niemals!“

„Wie bitte?“

„Tupperdose ok. Da hab ich so leere Becher vom Kartoffelsalat. Wissen Sie für mich alleine lohnt es sich ja nicht, welchen frisch zu machen. Da kaufe ich fertigen.“

„Ja, das verstehe ich. Aber wo ist das Problem?“

„Welches Problem?“

Bernhard Speck-Faltberg atmete dreimal tief ein, um sich zu beruhigen. „Es gibt kein Problem. Nehmen Sie den Finger, tun ihn in den Becher, machen den Deckel drauf und stellen Sie den Becher dann in den Kühlschrank!“

„Niemals!“

„Wie bitte?“

„Niemals! Ich stelle den Becher gerne an eine kühle Stelle, aber nicht zu meinen Lebensmitteln in den Kühlschrank!“

„Ok, wir sind ja auch gleich da. Nibelungenweg acht – der Name war Muckehirn, hab ich das so richtig notiert?“

„Jawoll junger Mann. Dann fahren Sie mal los. Nicht dass das hier noch anfängt, komisch zu riechen und die Nachbarn denken, ich bin das.“

„Wir sind unterwegs.“

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